Wie man keine Atombombe baut

Ich habe ein nuklearwissenschaftliches Buch geschrieben. Ja, das ist ein weites Feld, an dem sich schon viele kluge (und weniger kluge) Köpfe die geistigen Zähne ausgebissen haben. Es war mir also von vornherein klar, dass es nicht leicht wird in diesem Thema einen Punkt ansprechen zu können, der wenn auch nicht neu, vielleicht noch nicht in dieser Form herausgearbeitet wurde. Ich wusste das es am besten ist eine herangehensweise zu wählen, die mir am nähesten liegt. Ich habe also keine Mühen gescheut und konsequent jedes Werk, welches auch nur ansatzweise mit Themen wie Kernphysik, Kernspaltung, Kernfusion, Kernwaffen, Atomen, Urananreicherungsanlagen, ionisierenden Strahlungen oder artverwandten zu tun hat, getrost ignoriert und innerhalb ungefähr einer Stunde das Manuskript für dieses Werk verfasst:

Das Buch hat umfasst 54 Seiten, hat 3 Kapitel, zieht Schlussfolgerungen und hat ein Vorwort von Dr. Ulrich Baumann, einem echten Dr. phil., der seine Doktorarbeit selber geschrieben hat (zumindest gehe ich davon aus). Da man heutzutage ohne Bilder keine Aufmerksamkeitsfragmente mehr kriegt hat das Buch auch welche. Sie wurden von Vincent Leinweber, einem studierten Kommunikationsdesigner (MA) professionell und unbezahlt erstellt und sehen in Kombination mit meinem Text so aus:

Das Buch wurde von keinen geringeren als Herrn Patrick Gerber herausgegeben, ich kenne ihn von WG-gesucht, er hat daraufhin 7 Jahre mit mir in einer WG gewohnt und manchmal auch den Müll herunter gebracht. Im Gegensatz zu mir ist er nicht geizig und gibt gerne Dinge heraus, was für die Position als Herausgeber hervorragende Voraussetzungen schafft. Das Verlagshaus Edition Elbestraße Hinterhaus ist somit sehr dankbar ihn für diese Position gewonnen zu haben.

Ein Buch ohne Lektorat ist ein schlechtes Buch. Glücklicherweise erklärte sich deswegen Lukas, genannt „Bobby“, Wagner, ein ehemaliger Nachbar, bereit das Lektorat zu übernehmen. Mit einem kritischen Blick, hat er keine inhaltlichen korrekturen am Buch gefordert und so den Autor sehr zufrieden gestellt. Ich habe eine furchtbar schlechte Rechtschreibung, er hat Legasthenie. Hoch respektabel hat er sich dieser Herausforderung gestellt und sie mit Geschick und Hilfe, gemeistert. Wer also jetzt noch Rechtschreibfehler findet, kann diese gegenüber dem Suhrkamp Verlag melden.

Ebendieser (bislang) angesehene Verlag hat, völlig unerständlicher Weise, bis zum heutigen Tage keinerlei Rückmeldung auf das vom Herausgeber und mir gesandte Leseexemplar gezeigt. Sie hatten ihre Chance und so wird das Buch auch weiterhin in unserem kleinen aufstrebenden Verlag erscheinen, welcher seinen Frankfurter Stammsitz nicht einfach aufgeben wird, um ins ach so hippe Berlin zu ziehen, damit gut bezahlte Verleger*innen, Lektor*innen und Marketingfuzzis alteingesessenen Neuköllner*innen die Wohnungen wegnehmen. Ein Verlag, der mutig ist, eine klare Linie verfolgt und Bücher schreibt, die man, anders als die Bücher von Jürgen Habermas, auch gerne lesen will:

Da der Verlag so klein ist, dass er noch nicht über das Budget und das notwendige Know How verfügt, um so etwas wie eine Marketingkampagne auf die Reihe zu kriegen. Sind wir hocherfreut darüber für dieses Projekt eine Kooperation mit dem Konglomerat Kollektiv aus der zwei Städte-Stadt Mainz/Wiesbaden eingegangen zu Sein. Die haben sogar einen Webshop und veröffentlichen eigentlich (Punk-)Musik. Etwas schäbig, aber in Zeiten von Popakademien sicher der Jazz von morgen.

Wenn ihr diesen Text immer noch lest, wartet ihr mittlerweile gewiss sehnsüchtig darauf eine Möglichkeit zu erhaschen das Buch käuflich zu erwerben. Ich kann euch aber mit gutem Gewissen sagen, dass die unten stehende Abbildung trügerisch ist.

Ihr solltet also besser gar nicht auf der Seite auf der ihr sonst euren zukünftigen Schrott bestellt nachschauen sondern besser gleich bei den richtigen Quellen nachfragen. Für ungefähr 6 Kröten + Versand bekommt ihr das Werk zum Beispiel bei mir:

kontakt@haukehenkel.de

Wenn ihr Das Buch in einen „Warenkorb legen“ und „zur Kasse gehen“ wollt, dann seid ihr beim Konglomerat Kollektiv an der richtigen Adresse:

konglomeratkollektiv.limitedrun.com

Wenn ihr über aktuelle Informationen und Neuerscheinungen aus dem Verlagshaus Edition Elbestrasse Hinterhaus auf dem laufenden bleiben wollt, liked das Hinterhaus doch bei Insta:
instagram.com/editionelbestrassehinterhaus

Zuletzt noch eine Bitte. Es würde mich außerordentlich freuen, wenn ihr keine kindlichen Trotzreaktionen zeigt und vom Bau von Atombomben zukünftig absehen könntet.

Danke für die Aufmerksamkeit

H.

Gedicht / Livesession / Zuhause

Auch ich hab jetzt natürlich ganz viel Zeit dazu Zuhause rumzuhängen (Erstes Ergebnis davon ist dieses Video hier). Leider bin ich Trantüte gar nicht dazu gekommen die Konzerte im April mit Tito Bazilla anzukündigen, dementsprechend kann ich sie jetzt auch gar nicht so richtig absagen. Egal. Seis drum.
Wie (eigentlich) immer ist es jetzt natürlich wichtig sich solidarisch zu den Mitmenschen zu verhalten. Zu schauen wie man sich engagieren kann um den schwächsten zu helfen. Denen, die durch alle Raster fallen. Es ist wichtig besonnen wie kritisch zu bleiben. Sich gegen eine Gesellschaft der Angst zu stellen, die nur den wenigsten hilft. Natürlich geht es jetzt auch darum den Blick für die anderen drängenden Probleme dieser Zeit offen zu halten.

Sehr wünsche ich mir jedenfalls das das Internet hier wenn das alles vorbei ist wie leer gefegt sein wird. Es hilft nicht das schönzureden: Livestreams ersetzen kein verschwitztes Punkkonzert im schummrigen Kellerclub. Chats keine gemütlichen Spieleabende bei Freunden. Diese „sozialen“ Plattformen hier schaffen keine selbstorganisierten Räume in denen sich die Leute frei ausprobieren können. Das findet draußen statt. In deiner Stadt. deinem Dorf. deinem Viertel. Von Angesicht zu Angesicht. Gern auch Arm im Arm mit dieser ganzen Hippiekacke. Aber um das später wieder Leben und wertschätzen zu können braucht es jetzt wohl eine Pause.
Ich hoffe möglichst viele meistern diese Situation und lernen kreativ mit ihr umzugehen, Gewohnheiten die eh nur schaden endlich über den Haufen zu werfen, verborgene Talente herauszuschälen und sich mal wirklich mit dem zu beschäftigen, was sie umgibt. Dann läge in der ganzen Dramatik auch eine Chance.

Der Song „Gedicht“ ist natürlich viel älter als das was gerade so abgeht, aber mir hat er irgendwie doch auch was dazu zu sagen.

allein / verbunden

Eigentlich hatte ich das ganze ja schon mal für beendet erklärt. Aber da hat dann doch was gefehlt. Also hab ich wieder Worte aneinander gekettet. Tasten gedrückt, schnell und recht monoton. Euphorisch Ideen gehabt, Zweifel bekommen und vieles wieder verworfen, manches verändert.

Ich hab mich auf der Suche nach den passenden Instrumenten auf viel Kleinanzeigenseiten herumgetrieben. Ein Synthesizer. Ein Midicontroller. Fußpedale aus einer Orgel um mit dem Fuß den Synth zu spielen. Ein halbakustisches Electric Piano aus den 80ern. Dahin ein Roadtrip mit meinem Nachbarn. Hin zu einer Scheune in einem kleinen dunklen Ort irgendwo an der A 7. Früher ist es mit Boogie-Woogie läufen durch die Klubs gezogen, stand nun aber schon zehn Jahre in der Scheune herum. Als wir das E-Piano ins kleine Auto verladen hatten, verabschiedete uns der Vorbesitzer von Trauer ergriffen. Ich glaub ich kann verstehen warum.

Ein anderer glücklicher Umstand war es, dass die Band vom Proberaum gegenüber das über ein Jahrhundert alte Klavier aus der „Königl. Preuss. Hof. Pianoforte Fabrik Knauss in Coblenz“ nicht mehr bei sich haben wollte. Es knarzt zwar sehr und der Klavierstimmer kann es nicht auf den heutigen Kammerton stimmen (es ist quasi für einen Halbton tiefer gebaut worden. Es gibt da über die Jahrzehnte tatsächlich so einen Trend der die Stimmung allgemein immer weiter hochpitcht, A ist nicht gleich A). Im Klavier innen drinnen hängen so Säcke. Drauf steht „Mottenpulver“ in Frakturschrift. Hängen da bestimmt schon ein paar Jahre. Dann wären da noch die Kerzenständer für den Fall das man Nachts spielen will und es kein elektrisches Licht gibt. Die Tasten sind aus Elfenbein, das ist zwar Scheiße, aber so lief das damals. Wie viele kleine Menschen auf dem Teil wohl schon unter strengen blicken gerade sitzend Klavier lernen mussten?

Ich hab mir dann Mikrofone geliehen, die ich mir nie leisten könnte. Hab des Nachts gewartet, bis die Coverbands aus den Nachbarräumen nach Haus gefahren sind und beim Flughafen das Nachtflugverbot einsetzte. Als es ruhig war, hab ich angefangen an dem knarzigen altem Ding die Platte aufzunehmen.

Für zwei Stücke fuhr ich nach Bremen ins Wohnzimmer meiner Eltern um am dortigem Klavier den harten, kühlen Klang einzufangen. Der Rest, (E Piano / Gitarre / Akkordeon / Synths / Beats / Glockenspiel und vor allem Gesang) entstand in meinen 9qm Bahnhofsviertel FFM. Großer dank deshalb an die Kulanz meiner Eltern und meines Mitbewohners. Gemastert wurde die Platte dann in Berlin in der Straße in der diese Dönerbude ist bei der alle Schlange stehen obwohl sie wissen das der gar nicht so geil schmeckt. Der Typ der das Mastering gemacht hatte, hat dann vorgeschlagen, dass das ganze auf jeden Fall auf Platte raus müsste. Das Ergebnis davon kommt hoffentlich in ein paar Tagen per Post.

Das hat wahrscheinlich eh niemand zu Ende gelesen, für so etwas ist das Medium hier eh nicht gemacht und dann kommt mir das sicher spannender vor, als es für andere ist. Nichtsdestotrotz, eine Info hab ich noch:

Mein neues Album „allein / verbunden“ ist jetzt auf den gängigen Streamingplattformen zu hören.

(Bestellt sie aber lieber weiterhin vor, weil Platte auflegen ist viel schöner! https://haukehenkel.bandcamp.com/album/allein-verbunden )